Änderung der Beiträge

      Kommentare deaktiviert für Änderung der Beiträge
Liebe Mitglieder, Freunde und Interessenten der Solawi Gut Wegscheid!
 
Am Anfang standen eine Idee und eine Frage.
Die Idee: Eine Solidarische Landwirtschaft in Aachen.
 
Die Frage: Wird das funktionieren? Wird es klappen, dass sich Leute zusammen finden, die bereit sind, durch ihre Beträge den Betrieb und die Produktion einer Landwirtschaft zu er­möglichen und die im Gegenzug dafür die komplette Ernte erhalten?
 
Am 01.03.2013 startete das erste Wirtschaftsjahr der Solidarischen Landwirtschaft Gut Weg­scheid in Aachen. Ein interessantes und spannendes Projekt begann. Interessant, weil ganz bewusst der Weg einer anderen Landwirtschaft eingeschlagen wurde: Regionale und saiso­nale Produkte auf Demeter-Basis. Spannend, weil sich die ersten Mitglieder lediglich für ein Jahr verpflichtet haben. Wie würde es dann weiter gehen?
 
Die Solidarische Landwirtschaft Gut Wegscheid befindet sich mittlerweile in ihrem 5. Wirt­schaftsjahr und das sechste ist in Planung. Die Idee wurde angenommen, die Solawi funktio­niert und interessant und spannend bleibt es nach wie vor.
 
In diesen 5 Jahren ist eine Menge geschehen. Vieles hat sich verändert.
 
Waren es zunächst 70 vergebene Ernteanteile mit 120 Mitgliedern, so bilden zur Zeit 350 Mitglieder die Solawi Gut Wegscheid und teilen sich etwas über 220 Ernteanteile. Geht man davon aus, dass im Durchschnitt jedes Mitglied mindestens eine weitere Person mit versorgt (PartnerIn, Kinder, WG), so profitieren über 700 Menschen von den Erzeugnissen der Solawi: Leckeres, frisches und gesundes Gemüse aus der Region. 700 Menschen – das sind in vielen Gegenden Deutschlands alle Einwohner eines Dorfes.
 
Vor 1 1/2 Jahren wurden zusätzliche Folientunnel am Kronhof im Grauenhofer Weg in Aachen gepachtet. Dadurch vergrößerte sich die verfügbare Anbaufläche. Mehr und neue Gemüsesorten können seitdem angebaut und geerntet werden.
 
Die Solawi hat Arbeitsplätze geschaffen. Die Anzahl der angestellten MitarbeiterInnen hat sich verändert. Neben Daniel Bosse als verantwortlichen Landwirt arbeiten aktuell Petra Armbruster, Peter Dautzenberg, Anja Fiebich, Felix Kilian und Rouven Reischuk in der Solawi mit und sorgen gemeinsam dafür, dass die Mitglieder jeden Freitag und Samstag ihre Ernte­anteile abholen können.
 
Seit diesem Sommer backen wir unser Brot nicht mehr selber, sondern beziehen es von der Aachener Bio-Bäckerei Töller. Wir kamen in unserer Backstube an Kapazitätsgrenzen und können nun sicherstellen, dass genügend Brote bei der Ausgabe zur Verfügung stehen.
 
Viele ehrenamtliche Helfer und helfende Hände unterstützen das Team um Daniel mit ihren Gaben und Fähigkeiten. Sei es bei der Ernte, bei Mitarbeitstagen oder in der Kerngruppe. Auch wenn diese Mitarbeit zum Prinzip von Solidarischer Landwirtschaft gehört, so ist sie keinesfalls selbstverständlich.
 
Obwohl sich in den letzten 5 Jahren einiges verändert hat, so gibt es einen Punkt, an dem bislang keine Veränderung stattfand. Die monatlichen Beträge für die Ernteanteile.
Seit Beginn der Solawi Gut Wegscheid beträgt der Beitrag für einen großen Ernteanteil mo­natlich 100 € und für einen kleinen Ernteanteil 50 €. Soweit es ging und wo es möglich war, wurden in den letzten Jahren Kosten eingespart oder weitere Ernteanteile vergeben, um Kostensteigerungen aufzufangen. Möglich machte dies auch eine verbesserte Boden­nutzung. Jedoch sind hier die Kapazitäten der Solawi begrenzt. Wir können nicht beliebig neue Ernteanteile vergeben. Und es ist ferner nach wie vor so, dass die Solawi keine Ge­winnerzielungsabsicht hat. Eventuelle Gewinne werden reinvestiert.
 
Die Art der Landwirtschaft, wie sie in der Solawi Gut Wegscheid betrieben wird, ist eine per­sonalintensive Landwirtschaft. Sehr vieles ist im besten Wortsinn Handarbeit. Wir möchten die Qualität der Arbeit und vor allem der Produkte erhalten und, wo möglich, weiter verbes­sern. Das bedeutet, dass Einsparungen im Personalbereich für uns keine Option darstellen.
 
Weil auf der Seite der Ausgaben kein Raum für weitere Einsparungen und auf der Seite der Einnahmen keine Erhöhung der ausgegebenen Ernteanteile möglich und auch keine anderen regelmäßigen und damit planbaren Einnahmen zu erwarten sind, bleibt uns nur die Möglich­keit, zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres ab 01.03.2018 die monatlichen Beiträge zu er­höhen.
 
Ab 01.03.2018 beträgt der Beitrag für einen großen Ernteanteil 110 € und für einen kleinen Ernteanteil 55 €.
 
Uns ist bewusst, dass dies eine Steigerung von 10% ist und für manche eine sehr große Erhöhung darstellt. Vielleicht wäre in den letzten Jahren eine jährliche Erhöhung besser ge­wesen. Hier hatten wir jedoch eher den Blick auf mögliche Kosteneinsparungen und die Aus­gabe neuer Anteile.
 
Wir sind nach wie vor vom Konzept der Solidarischen Landwirtschaft überzeugt und möch­ten diesen Weg ganz bewusst weiter gehen. Rückmeldungen und Resonanz seitens der Mit­glieder wie auch von Interessenten bestärken uns dabei. Wir hoffen, dass Ihr diesen Weg weiter mit uns geht. Selbstverständlich stehen wir Euch für Rückfragen zur Verfügung.
 
Schließen möchten wir mit einer kleinen Geschichte:
 
Drei Bauarbeiter waren dabei, Steine zu behauen, als ein Fremder zu ihnen trat und den ers­ten Arbeiter fragte:
“Was tun Sie da?”
“Sehen Sie das denn nicht?” meinte der und sah nicht einmal auf. “Ich behaue Steine!”
“Und was tun Sie da?” fragte der Fremde den zweiten.
Seufzend antwortete der: “Ich muss Geld verdienen, um meine Familie Brot zu beschaffen. Meine Familie ist groß.”
Der Fremde fragte auch den dritten: “Was tun Sie da?”
Dieser blickte hinauf in die Höhe und antwortete leise und stolz: “Ich baue einen Dom!”
 
Auf die Solawi bezogen:
 
Ein Fremder kommt auf den Hof und sieht drei Mitglieder. Er fragte das erste Mitglied:
“Was tun Sie da?”
Sehen Sie das denn nicht?” und sah nicht einmal auf. “Ich presse Äpfel zu Saft!”
“Und was haben Sie da im Korb?” fragte der Fremde das zweite Mitglied.
“Ich habe Gemüse geholt. Meine Familie hat Hunger und wir wollen gleich essen.”
Der Fremde fragte auch das dritte Mitglied: “Was machen Sie hier auf dem Hof?”
Das dritte Mitglied blickte auf und antwortete leise und stolz: “Ich bin Teil der Solidarischen Landwirtschaft!”
 
In diesem Sinne viele Grüße,
 
Daniel Bosse
Solawi Gut Wegscheid Aachen