Zum Beginn des neuen Jahres ist es für mich jetzt an der Zeit, öffentlich und offiziell zur Nicht-Verlängerung des aktuellen Pachtvertrages Stellung zu nehmen.

Ich tue das auf diesem Weg, weil ich immer wieder mitbekomme, dass es Vorstellungen über die aktuellen Vorgänge an Gut Wegscheid (und über meine Rolle darin) gibt, die absolut nicht zutreffend sind.

Diese Stellungnahme richtet sich deshalb an alle, die sich fragen, was an Gut Wegscheid seit einem Jahr eigentlich los ist – und auch an die, die sich ein Bild gemacht haben, ohne beide Seiten gehört zu haben.

Ich möchte dies tun, indem ich ein paar Fakten aufzähle.

Vorab:

  • Gut Wegscheid ist für mich kein Investitionsobjekt. Vom finanziellen Standpunkt her gesehen, bringt der Hof für mich keinerlei Vorteile (im Gegenteil).
  • Gut Wegscheid war und ist für mich aber ein Herzensprojekt. Ich möchte am Hof einen Raum öffnen, in dem Landwirtschaft und Gemeinschaft und nicht zuletzt die Spiritualität eine fruchtbare Verbindung eingehen.
  • Dass das ein ambitioniertes Projekt ist, ist mir klar. Dass eine Romantisierung von Gemeinschaftsleben oder Landwirtschaft hier fehl am Platz ist, auch. Das, was wir hier tun, ist Pionierarbeit auf mehreren Ebenen. Gerade deshalb finde ich es aber so wichtig und reizvoll – und ich bin damit nicht allein.

Fakten zur Verpachtung

  • Der Pachtvertrag für die jetzige Solawi begann im Frühjahr 2013 und war von vorneherein auf gut neun Jahre, d.h. bis Herbst 2022, begrenzt.
  • Die jetzige Pächterfamilie hat den Hof zu drei Vierteln mit Wirtschafts- und Wohnraum und umgebender Fläche (Hofmauern Außenseite plus ca. zehn Meter) von mir gepachtet; die restlichen Felderflächen inklusive der sieben Hektar in der direkten Umgebung des Hofes (mit Tieren und Obstbäumen) gehören der Stadt und sind durch die Pächterfamilie von dieser gepachtet.
  • Von Anfang an war auf dem Hof ein nachbarschaftliches Zusammenleben geplant. Der Hof hat vier Wohneinheiten; eine ist momentan von der Pächterfamilie bewohnt, die drei anderen stehen (bedingt durch den aktuellen Konflikt) leer.

Abläufe in den letzten Jahren

  • Zu Beginn des Pachtverhältnisses haben wir (Pächterfamilie und Verpächterin) uns wenig über Wünsche und Zukunftspläne ausgetauscht. Viele Dinge habe ich damals nicht angesprochen. Das war ein Fehler, denn: „Jeder Mensch hat seine Selbstverständlichkeiten – manchmal sind es aber nicht dieselben“ hat mal ein kluger Freund von mir gesagt.
  • Ich achte und respektiere die immense Arbeit, die die Pächterfamilie in das Gelingen des Betriebes investiert hat. Die Vorstellungen zur Gestaltung der Solawi (Stichwort Gemeinschaftsbildung, Öffnung des Hofes für gemeinschaftliche Aktivitäten, ideelle und politische Dimension der Solawi) und zum Thema Hofleben (hier: ein nachbarschaftliches Zusammenwohnen in gegenseitigem Respekt) haben sich jedoch mit der Zeit als völlig unvereinbar herausgestellt.
  • So wurde mir nach und nach und trotz einer gemeinsamen Supervision langsam klar, dass wir, bei aller Wertschätzung im landwirtschaftlichen Bereich, als Beteiligte des Projektes und als spätere Nachbarn nicht zusammenkommen würden.
  • Nachdem auch ein Versuch der damaligen Kerngruppe (in der es ähnliche Unzufriedenheiten gab), das Ganze in einem Gespräch in größerem Rahmen zu klären, scheiterte, entschied ich mich Ende 2108, den Vertrag über das im Vorneherein festgelegte Pachtende hinaus (Ende 2022) nicht zu verlängern.
  • Zum Abschluss möchte ich nochmal betonen, dass mir von Anfang an daran gelegen war, die Solawi auf Wegscheid zu unterstützen – ideel, finanziell (über günstige Konditionen) und über eigenes Engagement. Doch wenn klar wird, dass die Grundlagen nicht stimmen  … dann ist es Zeit, neue Wege zu gehen. Für mich war diese Zeit Ende 2018 gekommen.

Zukunft und Kontaktaufnahme

  • Wie auf dieser Website schon öfter erwähnt, strebe ich eine Neugründung bzw. Weiterführung einer Solawi auf Gut Wegscheid mit anderen Akteuren an, sobald das möglich ist.
  • Wer mir Kontakt zum Thema aufnehmen oder Fragen stellen möchte, ist dazu herzlich eingeladen.